03. März 2017

Private Videoaufnahmen an der Österreichischen Mediathek

Onlineplattform zum WWTF Projekt "Wiener Video Rekorder" vorgestellt

Onlineplattform zum WWTF Projekt 'Wiener Video Rekorder' vorgestellt

Onlineplattform zum WWTF Projekt
"Wiener Video Rekorder" vorgestellt © Österreichische Mediathek

Im Rahmen des 2013 Calls Public Spaces in Transition des Wiener Impulsprogramms für die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften gefördeten Forschungsprojekts SSH13-007 "The Changing Role of Audio-Visual Archives as Memory Storages in the Public Space. Using the example of private video sources" unter der Leitung von Gabriele Fröschl (Technisches Museum Wien mit Österreichischer Mediathek) wurden mehr als 3.000 private Videoaufnahmen gesammelt und archiviert. Diese stehen nun in einer öffentlich zugänglichen Videoplattform zur Verfügung.

Aussterbendes Medium Videokassette

Die Videoaufnahmen entstammen aus den 1980er Jahren. Mit den relativ billigen Videokameras, die vermehrt ab diesem Zeitpunkt zur Verfügung standen, wurde das private Filmen zu einem Massenphänomen: Die Familie zu Weihnachten, in den Ferien, beim Spaziergang, das Heranwachsen der Kinder, die Haustiere, der Lebensraum in der Stadt, die Arbeitswelt, die Ereignisse auf öffentlichen Plätzen. So ist im Lauf der Jahrzehnte ein Schatz an privaten Videoaufnahmen entstanden, der auch für die wissenschaftliche Analyse von Forscher/innen verschiedener Disziplinen von großer Bedeutung wäre. Nur leider haben diese privaten Aufnahmen – in diversen mittlerweile obsoleten Videoformaten – bisher nie den Weg in ein öffentliches Archiv gefunden und sehen in den Wohnungen ihrer Erzeuger/innen ihrem nahen Ende entgegen. 

Viele kennen dieses Problem aus eigener Erfahrung: Bandsalat, Videokassetten werden unspielbar, Abspielgeräte werden kaputt und sind im Handel nicht mehr erhältlich. Sind diese Aufnahmen nicht mehr zugänglich, ist damit auch das darauf gespeicherte Material unwiderruflich verloren, da hier die Videokassette meist die einzige erhaltene Kopie darstellt.

Archivierungsprojekt

Das international einzigartige Projekt „Wiener Video Rekorder“ hat durch öffentliche Aufrufe und gezielte Sammeltätigkeit rund 3.000 Stunden solcher Videoaufnahmen in das Archiv der Österreichischen Mediathek – das nationale Archiv für audiovisuelle Medien – eingebracht. Die in einem oft sehr schlechten Zustand befindlichen analogen Kassetten wurden hochauflösend in ein digitales System übertragen und werden digital langzeitarchiviert. Parallel dazu wurde das Material auch ausführlich inhaltlich aufgearbeitet und in einer Datenbank erfasst.

Wissenschaftliche Quellenedition

Ein Ergebnis des Projektes ist auch eine wissenschaftliche Quellenedition, die in Form einer Webplattform zugänglich gemacht werden kann. Damit ist sowohl für die weitere wissenschaftliche Forschung als auch für die breitere Öffentlichkeit ein Zugriff auf diesen wichtigen Quellenbestand sichergestellt.

Für den Bereich privater Videodokumente stellt diese auf Wien fokussierte Sammlung einen singulären Bestand dar, der für künftige Forschungsvorhaben relevante Einblicke in die privaten Räume Wiens ermöglicht, wobei das Projekt als Scharnier zwischen der Privatsphäre und dem öffentlichen Raum dient. Da es sich überwiegend um Videoaufnahmen von in Wien lebenden Menschen handelt, wird ein Bild der Stadtgesellschaft im Laufe der Jahre skizziert, in dem gesellschaftliche Transformationen und soziale Bewegungen genauso reflektiert werden, wie der technologische Wandel bei der Nutzung von Informationstechnologien.

Einblicke in die Sammlung gibt die Online-Ausstellung https://www.wienervideorekorder.at/

Weiterführende Projektinformationen finden Sie hier.

Medienberichte:

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